Fortschritt der Datennutzung für hochschuleigene Zwecke

Seit 2017 ermittelt UniKoN regelmäßig den Fortschritt der Promovierendenerfassung an allen Hochschulen mit Promotionsrecht in Deutschland. Zusätzlich erhebt UniKoN den aktuellen Stand der Planung oder bereits bestehende Bemühungen zur Verbesserung der Informationslage zu promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen. In den aktuellen Erhebungen werden die Hochschulen unter anderem zum Thema Datennutzug für hochschuleigene Zwecke befragt. Im Folgenden sollen die Ergebnisse kurz vorgestellt werden.

In der UniKoN-Publikation "Dr. Unbekannt: Informationsbedarfe, Angebote, Strukturen und Informationslage deutscher Hochschulen und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen zur Förderung promovierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler" wird ein Einblick in Ziele und Ansätze auf dem Weg zur Verbesserung der Informationslage zu promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im deutschen Wissenschaftssystem gegeben. Ein kurzer Einblick in die Publikation soll aufzeigen, welchen Stellenwert das Thema Datennutzung unter den 19 Gastbeiträgen einnimmt.

UniKoN führt in einem Monitor zur Promovierendenerfassung regelmäßige Befragungen der Hochschulen mit Promotionsrecht in Deutschland durch. Seit 2020 wird auch erfragt, inwieweit die erhobenen Daten für weitere Zwecke jenseits der Erfüllung der gesetzlichen Berichtspflicht genutzt werden bzw. zukünftig genutzt werden sollen. Während zum ersten Befragungszeitpunkt noch relativ wenige Hochschulen angaben, die für die Promovierendenstatistik erhobenen Daten bereits aktiv auch für eigene Zwecke zu nutzen, berichteten 57 % der teilnehmenden Hochschulen, die vorhandenen Promovierendendaten zukünftig für hochschuleigene Zwecke nutzen zu wollen.

Zu den Zwecken und Bedarfen, die damit erfüllt werden sollen, zählten unter anderem die strategische Organisations- und Angebotsentwicklung, Evaluierungsaufgaben und die Verbesserung des Promotionssystems, die Erfüllung weiterer interner und externer Berichtspflichten, aber auch die Information der Öffentlichkeit zum Promotionsgeschehen sowie die Verbesserung von Verwaltungsprozessen.

Im virtuellen UniKoN-Werkstattgespräch 2020 äußerten in einer Umfrage während einer Online-Podiumsdiskussion die ca. 80 virtuellen Teilnehmenden Unzufriedenheit über dieses Missverhältnis zwischen Aufwand und Nutzen. Bei der Frage zur Datennutzung gaben schon 19 von 35 Hochschulvertretern an, die für die Promovierendenstatistik erhobenen Daten bereits für hochschuleigene Zwecke zu nutzen, nur drei von 35 gaben an, keine weitere Nutzung der Daten jenseits der Berichtspflicht vorzusehen.

Auch im Bereich der promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist die Datenbasis in Teilen sehr lückenhaft. Angaben über diese durchaus diverse Personengruppe sind nach dem Hochschulstatistikgesetzt (HStatG) nicht meldepflichtig. Die Hochschulen erheben hier meist Daten in der Personalverwaltung oder für interne und externe Berichtsanlässe. In der zweiten UniKoN-Promoviertenbefragung 2021 wurde von den Hochschulen erfragt, inwieweit sie planen, Daten von ihren promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für interne Bedarfe zu nutzen.

Dabei zeigt sich, dass 33 von 49 der Befragungsteilnehmer Daten für Qualitätsmanagementmaßnahmen nutzen bzw. zukünftig nutzen wollen. Die Bereitschaft fällt demnach etwas höher (um 10%) aus als in der Befragung zu Promovierendendaten. Als Ziele gaben die Befragten die Verbesserung der Qualität von Forschung und Lehre, die Nachwuchsförderung, Nutzung zur Planung und Optimierung von Unterstützungs-/Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten, Einwerbung von Drittmitteln, Personalentwicklung, Internes Berichtswesen, Verbleibstudien, Monitoring-Verfahren und Benchmarking sowie die Verbesserung von strukturellen Rahmenbedingungen und die Identifizierung von problematischen Verläufen an.

In der UniKoN Publikation „Dr. Unbekannt. Informationsbedarfe, Angebote, Strukturen und Informationslage deutscher Hochschulen und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen zur Förderung promovierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ wird eine Übersicht über den Stand und aktuelle Entwicklungen der Informationslage und Angebotsentwicklung für promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gegeben. Dabei wird Bezug genommen auf vorhandene Daten und Erkenntnisse im Hinblick auf Promovierte.

Es wird in dieser Publikation deutlich, dass die Qualifizierung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema an vielen Einrichtungen wurde. So entstanden und entstehen an vielen Einrichtungen Postdoc-Zentren, es werden spezifische auf die wissenschaftlichen Beschäftigten zugeschnittene Personalentwicklungs- und Karrierekonzepte erarbeitet und bundesweite Förderprogramme sowie einrichtungsspezifische Qualifizierungsprogramme etabliert. Ein beginnender Kulturwandel an den Einrichtungen befördert zudem die Notwendigkeit, Promovierte für alternative Karrierewege außerhalb des Wissenschaftssystems zu qualifizieren.

In der Publikation werden unter anderem Initiativen und Ansätze von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen vorgestellt, die dazu dienen, Informationen über die Gruppen der promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler punktuell oder systematisch, kontinuierlich oder anlassbezogen, stichprobenartig oder vollständig zu erfassen.

In der Publikation wird eine Verbesserung der Qualitätssicherung von Daten im Bereich des promovierten wissenschaftlichen Nachwuchses angemahnt. Ein umfassendes Monitoring des wissenschaftlichen Nachwuchses mit den Zielen der Qualitätssicherung und Angebotsgestaltung ist dabei notwendig.