Grundlegende Aspekte der Datennutzung

Seit den 1990er Jahren gewinnt das Thema Qualitätsmanagement an Hochschulen zunehmend an Bedeutung. Dies hängt zum einen mit der Etablierung eines einheitlichen Europäischen Hochschulraums im Zuge des Bologna-Prozesses zusammen. Zum anderen mit der New Public Management (NPM) Reform, welche ebenso eine Neustrukturierung des öffentlichen Verwaltungssektors anhand betriebswirtschaftlicher Methoden vorsah. Im Zuge dieser Reformen befassten sich die Hochschulen verstärkt mit Aspekten des Qualitätsmanagements und entwickelten Methoden zur Evaluation, Akkreditierung, Systemakkreditierung sowie die „Standards und Leitlinien für die Qualitätssicherung im Europäischen Hochschulraum“ (ESG). Inzwischen ist Qualitätsmanagement im Hochschulbereich kein neuer Begriff mehr, wobei der Fokus vorrangig auf Lehre und Forschung, bzw. Verwaltung liegt, als auf dem Bereich der Förderung von Promovierenden und promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Zur Einführung in die Thematik werden im Folgenden einige grundlegende Informationen zu Definitionen, der Qualitätsnorm sowie dem PDCA-Zyklus vorgestellt.

Qualität beschreibt die Übereinstimmung zwischen einem Produkt oder einem Prozess und den vorgegebenen Forderungen. (Geiger 2007: 12)

Während in der Wirtschaft Anforderungen von den Kunden vorgegeben werden, sind im Hochschulbereich verschiedene Anspruchsgruppen relevant. Für die Datennutzung mit dem Ziel der Qualitätssicherung im Bereich des wissenschaftlichen Nachwuchses haben verschiedene hochschulinterne Einrichtungen und Abteilungen wie die Hochschulverwaltung sowie Personengruppen wie Promovierende und Promovierte aber auch externe Mittelgeber oder Hochschulpolitik unterschiedliche Anforderungen. Prozess und Produkt sind als Angebote, Strukturen und Prozesse zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu verstehen, mit denen die Anspruchsgruppen ihre Vorhaben bestmöglich erreichen können. So wird eine hohe Qualität erreicht, wenn die Anforderungen der Anspruchsgruppen und das Ergebnis der angewendeten Maßnahmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses übereinstimmen.

Qualitätsmanagement ist ein Teilbereich des Hochschulmanagements, welches auf die Entwicklung und Verfestigung von qualitätsfördernden Maßnahmen abzielt. Diese setzen sich zusammen aus dem Festlegen von Qualitätszielen (welche sich aus der Datenanalyse gewonnen Erkenntnisse ableiten) sowie Prozesse für das Erreichen dieser Ziele (DIN EN ISO 9000:2015-11, 31).

Im Hochschulbereich existieren bisher keine einheitlichen Definitionen zu den verschiedenen Qualitätsbegriffen. Dabei gehen Hochschulen und wissenschaftliche Organisationen oder wissenschaftspolitische Einrichtungen nach unterschiedlichen Modellen vor oder legen ihre eigenen Definitionen fest. UniKoN orientiert sich an der aktuellen Revision der DIN EN ISO 9000:2015, welche das Qualitätsmanagement als eine übergeordnete Einheit definiert, in welche sich weitere Konzepte unterordnen. Das Erreichen der Qualitätsziele wird durch die Prozesse der Qualitätsplanung, Qualitätssicherung, Qualitätssteuerung und Qualitätsverbesserung ermöglicht.

Die Prinzipien des Qualitätsmanagements lassen sich ebenso auf den Bereich der Promovierenden und promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler übertragen. Grundlegende Ansätze sind hierbei der PDCA-Zyklus sowie die sieben Grundsätze des Qualitätsmanagements nach der Qualitätsnorm.

Quellen: 
Geiger, Walter; Terminus Technicus: Qualitätsdaten. In: QZ Qualität und Zuverlässigkeit 52(2007)1, S. 12
DIN EN ISO 9000; Qualitätsmanagementsysteme – Grundlagen und Begriffe, Beuth Verlag, Berlin, 2005.

Mit der DIN EN ISO 9001 Qualitätsnorm wurde ein einheitliches Standard festgelegt, mit dem Unternehmen ihr eigenes Managementsystem in Bezug auf qualitätssichernde Maßnahmen bewerten bzw. optimieren können. Die Norm wurde in Teilen bewusst allgemein formuliert, damit viele verschiedene Unternehmens- und Organisationsformen (in dem Sinne auch öffentliche Einrichtungen) von der Norm profitieren können

Die DIN EN ISO 9000 legt sieben Grundsätze des Qualitätsmanagements fest, welche den Kern der Qualitätsnorm widerspiegeln sollen. Die folgende Darstellung der sieben Grundsätze wurde für die Zwecke der Datennutzung im Hochschulbereich umgewandelt und soll für etwaige Maßnahmen und Themenfelder, welche mit dem Qualitätsmanagement in Zusammenhang stehen, sensibilisieren.

Quelle: DIN EN ISO 9000 und Brugger-Gebhardt, Simone (2016): Die DIN EN ISO 9001:2015 verstehen. Die Norm sicher interpretieren und sinnvoll umsetzen. 2. Aufl. Wiesbaden. Online: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/978-3-658-14495-1.pdf;Download.pdf (10.09.2021)

Als zentrale Idee bzw. Methode des Qualitätsmanagements gilt der PDCA-Zyklus. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe Plan-Do-Check-Act zusammen. Auch die Qualitätsnorm hebt den PDCA-Zyklus hervor, welcher elementar zum Verbessern jeglicher Prozesse ist (vgl. Brugger-Gebhardt: 17). Dargestellt als ein kreisförmiges System, symbolisiert der PDCA-Zyklus den Akt der Verbesserung als einen kontinuierlichen Prozess. 

 

Der PDCA-Zyklus wird im Folgenden anhand eines Beispiels im Bereich der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an Hochschulen angewendet.

Plan: Vorliegende Daten analysieren: Entscheidend hierfür ist die Aufbereitung der Daten und eine ausreichende Datenqualität.

Probleme und Herausforderungen der Bezugsgruppe z.B. Promovierte und Promovierende ermitteln: Wie kann die zuständige Einrichtung die Bezugsgruppe bei der Umsetzung ihrer Qualifizierungsvorhaben unterstützen.

Entwicklung von Plänen für Unterstützungsstrukturen und -maßnahmen: z.B. Einrichtung eines Postdoc-Offices, Entwicklung von Beratungsangeboten speziell für Doktorandinnen und promovierte Wissenschaftlerinnen, Entwicklung von Promovierenden-/Promovierten-Netzwerken

Absprache mit Mitarbeiter*innen und Hochschul- bzw. Abteilungsleitung, Zuständigkeiten klären, Prozesse zur Umsetzung der Maßnahmen entwickeln

Do: Umsetzung der Maßnahmen: Probleme und Herausforderungen während der Umsetzung ermitteln und Prozesse ggf. umändern

Check: Erfolg der Maßnahmen überprüfen: Stoßen die Unterstützungsmaßnahmen auf Zuspruch und werden sie genutzt.

Evaluationen und Feedbackumfragen für eine bessere Einschätzung der Maßnahmen durchführen.

Act: Erfolgreiche Maßnahmen können standardisiert werden, um diese für die Zukunft nutzbar zu machen.

Bei etwaigen Problemen können Verbesserungen abgeleitet und initiiert werden: z.B. bessere Erreichbarkeit der Bezugsgruppe, bessere Vermarktung des Angebots, eventuell neue Maßnahmen entwickeln aus Anstößen entwickeln

Quelle: Brugger-Gebhardt, Simone (2016): Die DIN EN ISO 9001:2015 verstehen. Die Norm sicher interpretieren und sinnvoll umsetzen. 2. Aufl. Wiesbaden. Online: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/978-3-658-14495-1.pdf;Download.pdf (10.09.2021)